Zeit zum Wechseln : Studiotechnik im Wohnzimmer (1)

Vor ein paar Tagen schrieb ich einen Artikel über die neuen Aktivlautsprecher, welche nun die Tonausgabe an meinem iMac übernehmen. Durch die positiven Erfahrungen mit Aktivlautsprechern , folgte schon kurz danach die „Erprobung“ von Studiomonitoren in meinem Wohnzimmer.

Wie bereits an anderer Stelle geschrieben gibt es zig Hersteller von Studiomonitoren, die alle ein breitgefächertes Portfolio qualitativ hochwertiger aktiver Lautsprecher im Angebot haben. Hier hieß es nun, anhand von Userberichten eine Vorauswahl zu treffen, da ich nicht 10 Paar Lautsprecher zum Vergleichshören ordern wollte (von den Kosten mal abgesehen).
Nachdem ich mich in diversen Foren mit Schwerpunkt Studiotechnik eingelesen sowie hier und da in Testberichten gestöbert hatte, kristallisierten sich zwei Hersteller heraus, die genau die Lautsprecher im Angebot haben, welche ich suchte.

Neumann und Adam Audio

Nach einigem Hin und Her blieben zum Schluss zwei Hersteller aus Deutschland übrig – Adam Audio und Neumann, beides Firmen aus der Hauptstadt mit sehr gutem Ruf in der Szene wobei Neumann zusätzlich der legendäre Ruf von Klein+Hummel umgibt. Um die Kosten im Rahmen zu halten, fiel die Wahl für den heimischen Hörtest auf die Adam Audio Artist 5 (gleiche Chassis und Abstimmung wie die A5X aber mit zusätzlichen USB-Eingang und Hochglanzoptik) sowie die Neumann KH 120 A

Bevor ich jedoch zum Thema komme, möchte ich noch eine Händlerempfehlung aussprechen…

Hörzone München

Im Hifi-Forum bin ich auf diverse Beiträge von Reinhard, Inhaber der Firma Hörzone  ( auch auf Facebook vertreten), gestossen. Nach einer Kontaktaufnahme bot er mir an, die von mir „auserwählten“ Aktivlautsprecher zum Testen zur Verfügung zu stellen – selbstverständlich unverbindlich und ohne Anzahlung. Und wenn mir gar kein Lautsprecher gefällt hätte ich nur die Portokosten zu tragen – kann man bei so einem Angebot nein sagen?

Auch die Kommunikation mit Reinhard lief einwandfrei, ich hatte ich nie das Gefühl, das es ihm ums verkaufen geht sondern das die Zufriedenheit des Kunden sowie die richtige Wahl des Lautsprechers im Vordergrund steht. Da solch ein Gebaren in der heutigen Zeit selten geworden, ist bin ich der Meinung, das solche Händler einfach positiv erwähnt werden müssen. So macht der Einkauf beim Fachhändler Spaß.
Von mir daher einen doppelten Daumen hoch nach München und eine uneingeschränkte Weiterempfehlung!

Die Lieferung

2 Tage nach nach Bestellung waren die Lautsprecher gut verpackt angekommen – der Paketbote hatte sichtliche Schwierigkeiten mit den je ca. 20kg schweren Paketen 😉
Bei den zum Test angeforderten Aktivmonitoren handelt es sich um B-Ware – diese sind deutlich im Preis reduziert (Beispiel Adam Artist 5 : 285€ anstatt 389€), können hier und da aber kleine optische Makel aufweisen. Ich habe mir jeden Lautsprecher genau angeschaut, konnte aber keine Macken/Kratzer etc entdecken. Von daher freut mich die Preisersparnis umso mehr.
Generell kann es nicht schaden, Reinhard direkt nach vorhandener B-Ware (gibt es bei fast allen Produkten) zu fragen – die reduzierten KH 120A waren zB im Shop zum Zeitpunkt der Bestellung nicht gelistet.

Alle in Reih und Glied : ADW SB18, Neumann KH 120 A, Adam Artist 5

 Ok, jetzt aber zu den Lautsprechern….

Der Verteidiger : ADW SB18 mit Selbstbau Endstufe (Class-D)

ADW SB18 mit Selbstbau-Lautsprechergehäuse
Im Juli 2012 baute ich mir die SB18, ein Lautsprecher-Bausatz aus dem Hause Udo Wohlgemuth. Das Gehäuse fertigte ich aus 18mm Birke-Multiplexholz. Für die Optik wurden das Gehäuse mit cremeweißen Kunstleder bezogen, als optischen Akzent habe ich seitlich schwarz lasierte Seitenwangen aus 6mm Pappelsperrholz aufgeleimt. Das ca. 18l netto große Bassreflexgehäuse beherbergt einen 25mm Gewebehochtöner sowie einen 17cm Tiefmitteltöner, beide aus dem Hause SB Acoustics. Die Trennfrequenz wird von Udo mit 1,8kHz angegeben.

Chassis von SB Acoustics

Die verwendete Endstufe ist ebenfalls ein Selbstbau. Als Verstärkerboard kommt die Hifimediy T2 Class-D Endstufe zum Einsatz, welche von einem Meanwell 24V Schaltnetzteil (auf 27V hochgezogen) versorgt wird.

Die Endstufe im Eigenbau-Gehäuse aus Buchenholz – rechts im Bild das Meanwell Schaltnetzteil

Die Endstufe harmoniert für meine Ohren wirklich gut mit der SB18 und im Zusammenspiel ergibt sich eine analytische jedoch nicht langweilige Wiedergabe mit einer tollen Räumlichkeit und einem für die Lautsprechergröße erwachsenen Bassfundament. Mit dieser Kombi lässt sich schon echt gut Musik genießen. Das Gehäuse ist mit den Abmessungen von (H)40 cm x (B)25 cm x (T)31cm deutlich das Größte im Vergleichstest, bietet aber auch die meiste Membranfläche.

Auf der Rückseite gibt es nur hochwertige Bananenbuchsen zum Anschluss der LS Kabel

Preislich liegt man für zwei Bausätze SB18 (pro Box 135€) mit Holzzuschnitt, Endstufe, Netzteil, Gehäuse, Kleinteile, Kabel bei ca 450-500Euro abhängig vom optischen Finish von den Lautsprechern + Endstufe. Nicht eingerechnet sind die vielen Stunden an Eigenleistung für die Montage der Lautsprecher und der Endstufe.

Herausforderer 1 : Adam Audio Artist 5

Adam Audio Artist 5

Wie oben schon angesprochen ist die Adam Audio Artist 5 eine optisch leicht modifizierte A5X. Augenfälligster Unterschied zur A5X ist das hochglanzlackierte Gehäuse, welches mehr nach Hifi als nach Studiotechnik aussieht. Der Bassreflexkanal ist im Gegensatz zur A5X einteilig ausgeführt und auf die Rückseite gewandert.

Die Artist 5 werden von Adam Audio als Multimedia Lautsprecher im Portfolio geführt, was auch das Vorhandensein eines USB-Eingangs erklärt – hier kann direkt ein Mac oder PC digital angeschlossen werden – die Artist 5 verfügt über einen eingebauten DAC. Die Adam wird mit einem gedruckten Handbuch (Din A5) ausgeliefert, welches Antworten auf die wichtigsten Fragen gibt.

Wie es sich für eine moderne Firma gehört, kann das Manual auch als PDF runtergeladen werden.

Adam Audio X-Art Hochtöner

Das Gehäuse aus MDF kommt als Bassreflexabstimmung daher, welches neben dem für Adam typischen X-Art Hochtöner (kein Bändchen sondern eine gefaltete Folie basierend auf dem Air Motion Transformer (AMT) von Oscar Heil) einen 145mm Tiefmitteltöner beherbergt. Achja, die Chassis sind magnetisch nicht geschirmt, was den Einsatz in der Nähe von Röhren-Fernsehern bzw. -Monitoren verbietet.

Das Gehäuse ist perfekt verarbeitet und bietet eine sehr ansprechende Hochglanzoptik in weiß (alternativ auch in schwarz erhältlich). Ein abnehmbare Lautsprecherabdeckung (hält durch Minimagnete am Lautsprecher) versteckt die Chassis hinter schwarzem Stoff, Einfluss auf die Wiedergabe hat die Abdeckung keinen.

Die beiden eingebauten Verstärker (je einer für X-Art Hochtöner und Tiefmitteltöner) stellen je bis zu 50W RMS (75W Peak) zur Verfügung, die Trennfrequenz liegt laut Herstellerangabe bei 2,5kHz.
Mittels zweier eingebauten Shelvingfilter (+/- 6dB >5kHz und +/-6dB <300Hz) kann der Lautsprecher auf die Raumakustik angepasst werden. Der Pegel des Hochtöners lässt sich im Bereich von +/-4dB einstellen.
Der Frequenzbereich wird von Adam Audio mit 50Hz….50kHz(!) angegeben.

Auf der Frontplatte befindet sich ein kleines Bedienpanel, welches den Ein/Ausschalter, die Power-LED, eine 3,5mm Klinkenbuchse (für MP3 Player…) sowie ein Lautstärkeregler mit Mittenrastung (die Lautstärke ist im Bereich von -unendlich bis +14dB regelbar) beherbergt. Die Artist zeigt sich darüber hinaus extrem anschlussfreudig, neben der 3,5mm Stereo-Klinkenbuchse am Frontpanel besteht auf der Rückseite die Anschlussmöglichkeit für Cinchkabel sowie die in der Studiotechnik üblichen XLR Kabel. Ein Mac bzw PC findet direkt an der integrierten USB Buchse (Typ B) Anschluss.

Rückseite mit Verstärkereinschub und Anschlüssen der Adam Audio Artist 5

Der Lautsprecher baut mit (H)29,5cm x (B)17,5cm x (T)22cm recht kompakt und bringt ein Gewicht von rd. 7kg auf die Waage.

Preis pro Stück : 389€ (Stand 20.08.2013 – hoerzone.de)

Herausforderer 2 : Neumann KH 120 A

Neumann KH 120 A

Die Neumann KH 120 A kommt zusammen mit einem gedruckten Din A4 Handbuch (auch als PDF bei Neumann im Download erhältlich), welches den Namen wirklich verdient. Wo andere Hersteller nur ein Faltblatt beilegen, bietet das Manual der KH 120 A eine Unmenge an Information rund um das Thema Aktivmonitor und richtige Aufstellung – Vorbildlich!

Optisch sieht man die Herkunft und das Einsatzgebiet der Neumann sofort an, wo die Adam mit empfindlicher Hochglanzoptik punktet ist das Bassreflexgehäuse aus Alu-Guss(!) für den rauhen Profi-Alltag mit einem unempfindlichen Lack in anthrazit beschichtet. Das Gehäuse ist sauber verarbeitet und besteht sichtbar aus zwei Schalen.

Gut zu erkennen : das robuste Äußere der Neumann

Als Chassis kommt ein 25mm Titan-Gewebehochtöner mit Waveguide sowie ein 130mm Tiefmitteltöner aus eigener Entwicklung/Fertigung zum Einsatz. Beide Lautsprecher sind durch ein nicht abnehmbares Gitter gegen mechanische Einwirkung von außen geschützt.

Der Lautsprecher ist magnetisch geschirmt, die Trennfrequenz der Chassis liegt laut Neumann bei 2kHz. Der Frequenzbereich wird vom Hersteller mit 52Hz….21kHz (-3dB) angegeben.

Die beiden analogen Endstufen geben bis zu 50W RMS (80W Peak) ab, ein dreifacher EQ erlaubt die Anpassung der KH120A an den Raum (Bass 0, -2,5, -5, -7,5dB ; Mid 0, -1,5, -3, -4,5dB ; High +1, 0, -1, .2dB), ein fest eingestelltes Subsonicfilter bildet einen 30Hz Hochpass mit 6dB/Oktave.

Umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten bei der Neumann KH 120 A

Als Eingang werden nur Audiosignale via XLR akzeptiert, welches aber auch unsymmetrisch ausfallen kann (wie in meinem Fall).
Mit einem Gain-Regler kann das Eingangssignal bis -15dB abgeschwächt werden, dazu gibt es einen Pegel-Stufenschalter mit dem ebenfalls auf die Empfindlichkeit (hier der maximale unverzerrte Schalldruck) Einfluss genommen werden kann (94, 100, 108, 114 dB).

Auf der Frontplatte gibt es keinerlei Bedienelemente. Pfiffig: das beleuchtete Neumann-Logo gibt je nach Farbe Auskunft über den Betriebszustand des Lautsprechers (weiß=alles in Ordnung bzw. rot=Limiter aktiv/Clipping) .

Das beleuchtete Firmenlogo ist auch zugleich Auskunft über den Betriebszustand

Der Lautsprecher hat die Abmessungen (H)28cm x (B)18cm x (T)22cm und ist damit ungefähr so groß wie die Artist 5. Eine KH120A wiegt ca. 6,5kg.

Preis pro Stück : 649€ (Stand 20.08.2013 – hoerzone.de)

Hörerfahrungen in Teil 2

Soviel erstmal zum Hintergrund meines ganz persönlichen Lautsprechertests aktiver Studiomonitore sowie der Vorstellung der „Kombattanten“.

Im zweiten Teil geht es dann um meine Höreindrucke mit den drei Lautsprechern sowie um die Antwort auf die Frage, für welchen Lautsprecher ich mich schlussendlich entschieden habe. Also, stay tuned!

4 Gedanken zu “Zeit zum Wechseln : Studiotechnik im Wohnzimmer (1)

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