Zeit zum Wechseln : Studiotechnik im Wohnzimmer (2)

Nachdem ich im ersten Teil bereits auf die zum Hörtest stehenden Aktivlautsprecher näher eingegangen bin, geht es in Teil 2 nun um die (akustische) Wurst.

Ein paar Worte im Vorfeld

Bevor es mit dem eigentlichen Vergleichstest losgeht, möchte ich noch erwähnen, das der von mir durchgeführte Hörvergleich eine Momentaufnahme sowie rein subjektiv nach meinem Hörempfinden durchgeführt wurde.
Unter anderem Bedingungen (anderer Raum, andere Ohren, andere Endstufe an den SB18…) wäre das Ergebnis eventuell anders ausgefallen.

Bei der Testumgebung handelte es sich weder um einen perfektes Raum, noch ist mein Wohnzimmer speziell akustisch behandelt. Da mein DIY Vorverstärker über 2 Paar Cinchausgänge verfügt, konnte ich zwei verschiedene Lautsprecher in einem Durchgang testen. Mangels (Profi) Umschaltung per Fernbedienung musste ich für den A/B Vergleich immer zu den Lautsprechern hingehen und das eine Paar aktivieren bzw das grad gehörte deaktivieren.

Ich habe immer auf einem Lautsprecherpaar ein Musiktitel gehört und mir Notizen gemacht, hab dann manuell „umgeschaltet“ und wieder den gleichen Titel auf dem anderen Paar Lautsprecher gehört. – hier war also auch das Gedächtnis gefordert.

Der ein oder andere mag über diesen laienhaft durchgeführten Vergleichstest die Nase rümpfen, für mich hat die Art und Weise des Vergleichs vollkommen seinen Zweck erfüllt und die von mir notierten Unterschiede waren auch nach mehrmaligem hin- und herschalten für mich bzw. meine Ohren reproduzierbar.

Ich kann jedem, der nach der Lektüre meiner beiden Artikel zum Thema „Aktivlautsprecher im Wohnzimmer“ nun über einen Wechsel von passiv zu aktiv nachdenkt, nur raten, sich seinen Favoriten in seinem Wohnzimmer selber zu „erhören“. Die Meinungen Anderer sind gut und auch sinnvoll, aber im Endeffekt sollten die eigenen Ohren die Wahl der Lautsprecher entscheiden.

Hinweis : Ich bin kein Fan von blumigen Klangumschreibungen wie man sie in bei den „üblichen Verdächtigen“ (sprich den Hifi-Zeitschriften) immer wieder lesen kann. Ich versuche bei den Unterschieden eher nüchtern an das Thema heranzugehen in der Hoffnung, das meine Höreindrücke für den Leser nachvollziehbar sind.

Die Testumgebung

Der Vergleich fand in meinem Wohnzimmer statt, welches normal möbiliert ist und über ein 2er Kunstledersofa verfügt. Die Lautsprecher hatten zu den Seiten ca 70cm Abstand, nach hinten werden es so 1,30m gewesen sein.

Das Stereodreieck hatte eine Kantenlänge von ca 1,80m und die Lautsprecher waren auf mich eingewinkelt.

Ich habe die Aktivmonitore vor dem Test (mit dem Ohr) auf die Lautstärke der SB18 + Endstufe angepasst, so das auftretende Pegelunterschiede meine Wahrnehmung nicht verfälschen.

Bei dem Durchlauf mit Subwoofer habe ich die DSP Einstellungen (Trennfrequenz, Phasenlage) während des Hörtestes nicht geändert, als Phase war 0° eingestellt, die Trennfrequenz lag bei 80Hz.

Die Testmusik

Wenn man mal in die Hifi-Zeitschriften schaut wird man schnell feststellen, das für einen Hörvergleich bzw. -test oft Klassik bzw Jazz und Blues herangezogen wird. Da ich diese Musik selber nicht höre und mein Musikgeschmack sehr breitbandig ist, habe ich auch die Lautsprecher mittels meines MacBooks entsprechend mit unterschiedlichstem Musikmaterial von CD bzw von Festplatte (MP3 mit 320kbps sowie Apple Lossless) gefüttert, wobei natürlich nicht jedes von mir ausgesuchter Titel bzw. Album nach audiophilen Gesichtspunkten aufgenommen wurde.
Achja, der Vollständigkeit halber sei erwähnt, das das MacBook per Toslink-Kabel mit einem FiiO D3 DAC (sehr günstig aber erstaunlich gut) verbunden war, welcher wiederum das gewandelte Audiosignal via Cinchkabel an meinen Selbstbau-Vorverstärker weitergeleitet hat. Von dort ging es dann in die Endstufe (im Falle der SB18) bzw. direkt in die Aktivlautsprecher.

Folgende mir sehr vertraute Alben (bzw. einzelne Titel davon) wurden von mir zur Beurteilung herangezogen:

Yello – Motion Picture (MP3 320kbps)
Dire Straits – Brothers in Arms (Hybrid SACD)
The Beatles – Love (Apple Lossless)
Tracy Chapman – Tracy Chapman (CD)
Gus Gus – Arabian Horse (MP3 320kbps)
Heather Nova – Oyster (MP3 320kbps)
Suzanne Vega – Tried and True (CD)
Tori Amos – Little Earthquakes (Apple Lossless)

Klangbeschreibung ohne Subwoofer

Im ersten Durchlauf mussten die Lautsprecher ohne Bassunterstützung zeigen, was sie können.

ADW SB 18 : Die SB18 zeigte sofort, wozu der 17cm Tiefmitteltöner fähig ist. Der Lautsprecher lässt gar nicht erst den Gedanken an einen Subwoofer aufkommen.
Zwar fehlt die unterste Oktave aber die Basswiedergabe ist wirklich erstaunlich und es macht viel Freude, den isländischen Zauberern der Elektromusik, Gus Gus, zu lauschen.
Die beiden SB18 spannen eine breite Bühne auf, welche aber im Vergleich zu den beiden Aktivlautsprechern hörbar flacher ausfällt. Auch bin ich der Meinung, das sie hier und da Stimmen leicht umfärbt (John Lennon klang zB über die Artist für mich realistischer, präsenter)

Neumann KH 120 A : Nach den ersten Takten war ich mir nicht sicher, ob der Subwoofer doch eingeschaltet war. Der kleine Tiefmitteltöner geht erstaunlich tief in den Frequenzkeller, ohne dabei aufgedickt oder schwammig zu wirken. Nähert man sich ohrenfeindlichen Pegeln, verliert das Klangbild logischerweise untenrum schon einmal seine Lässigkeit und der Tiefmitteltöner fängt hörbar an, angestrengt zu klingen. Aber trotzdem sehr erstaunlich, was Neumann aus der kleinen Box an Bass zaubert!
Lässigkeit ist auch eine passende Vokabel für die Wiedergabequalitäten der kleinen Neumann. Egal welche Musikrichtung ich ihr anbot, egal ob Männer- oder Frauenstimmen, synthetische Klänge oder echte Instrumente – die KH 120 A spielte einfach alles – und das mit einer (für mich) totalen Gelassenheit und vor allem Glaubwürdigkeit das ich das ein oder andere Musikstück gleich zweimal hintereinander über diesen toll abgestimmten Lautsprecher genossen habe.

Adam Audio Artist 5 : Die Artist ist im direkten Vergleich der Lautsprecher im mit der schlankesten Basswiedergabe. Ein Dreh am 300Hz Shelving-Filter hilft hier nur bedingt, ich denke mal hier rächt sich die Abhörentfernung ein bisschen. Nichts desto trotz ist der Bass zwar sehr schlank, was aber rauskommt ist trocken und kontrolliert. Wenn es um die Räumlichkeit geht, zeigen die Adam was in ihnen steckt – die Bühne ist breit, tief und die einzelnen Protagonisten musizieren wie festgenagelt auf ihren vorgesehenen Plätzen. Ich war bei manchen Titeln auch der Meinung, das die Adam im Superhochton eine gewisse Brillianz bietet, die bei den Mitbewerbern fehlte. Die Erklärung könnte im bis 50kHz spielenden X-Art Hochtöner liegen, ist aber nur eine Vermutung. Überhaupt haut die gefaltete Folie einen sehr lockeren, luftigen Hochton raus, der die SB18 hinter sich lässt und auch dem Neumann Hochtöner ordentlich zu schaffen macht.
Während Männerstimmen etwas das Volumen fehlt gibt sie Frauenstimmen einfach gut wieder. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei „Crucify“ . Während das Volumen vom Klavier größer bzw runder sein könnte ist es eine Freude, Tori Amos zu lauschen.

Fazit : Der klare Sieger in so gut wie allen Disziplinen im ersten Durchlauf ist die Neumann. Obwohl von den Abmessungen her der kleinste Lautsprecher im Testfeld, rollte die kleine KH 120 A einen Bassteppich aus, der sich auch in Sachen Tiefgang nicht hinter der SB18 mit deutlich mehr Membranfläche zu verstecken brauchte.
Den zweiten Platz teilen sich die SB18 sowie die Artist 5. Wo die SB18 aufgrund viel Membranfläche ein wirklich sattes Bassfundament abliefert punktet die schlank spielende Artist 5 mit einer überzeugenden Räumlichkeit und das nicht nur in die Breite, sondern auch in die Tiefe. Die Räumlichkeit der SB18 ist ebenfalls gut, erreicht aber nicht die fast schon holographische Bühne der Adam. Auch gelingt es der Adam besser, Musikinstrumente und Stimmen tonal „echter“ Wiederzugeben als die Kombi SB18 und Class-D Endstufe. Bei der Wiedergabe von Yello fehlte aber allen Lautsprechern das, was viele Titel der Soundtüftler aus der Schweiz ausmacht… tiefster, raabenschwarzer Bass.

Klangbeschreibung mit Subwoofer

ADW SB 18 : Die SB 18 war der Lautsprecher, der am wenigsten vom Einsatz eines Subwoofers profitieren konnte. Spielt doch die SB18 bereits solo erstaunlich tief, so fügt der Sub zwar die unterste Oktave zur Wiedergabe hinzu (nun klingt Yello auch wie Yello), das Klangbild sowie die Räumlichkeit ändern sich dadurch aber kaum. Für die reine Musikwiedergabe von Rock/Pop halte ich einen Subwoofer in einem Raum von ca 16qm für überflüssig und sollte nur bei Heimkino-Anwendungen bedacht werden.

Neumann KH 120 A :  Die Neumann war neben der Artist der Lautsprecher, von dem ich mir im Vorfeld einen klanglichen Zugewinn durch den Einsatz eines Subwoofers versprach – und ich wurde nicht enttäuscht.
Die Qualität der Wiedergabe stieg nochmal eine ganze Klasse nach oben, denn nun war alles da, auch die untersten Frequenzen. Die Neumann profitierte auch erstaunlicherweise in der Räumlichkeit vom Tiefbass-Arbeiter – wer es nicht glaubt, der sollte seinen kleinen Lautsprechern einfach mal einen guten Subwoofer zur Seite stellen…
Auf jeden Fall war die Neumann in Verbindung mit dem Subwoofer die beste Lautsprecher-Kombination, welche ich bis dato in meinen 4 Wänden hören konnte – Musikgenuss auf verdammt hohen Niveau.
Sicher, Luft nach oben ist immer, ist nur eine Frage des Budgets….

Adam Audio Artist 5 : Auch die Wiedergabe über die kleinen Adam´s profitierte hörbar durch die Ergänzung mit dem Subwoofer, der im ersten Test festgestellte Mangel (dünner Bassbereich) war nun komplett verschwunden.
Erstaunlicherweise legte nicht nur das Volumen der Wiedergabe zu (ein Klavier bzw. ein Bass klangen nun so, wie ich es erwarte), sondern auch die Räumlichkeit (wie bei der Neumann) wurde nochmals gesteigert. Tracy Chapman trug ihre Geschichte vom schnellen Auto vor – und zwar in meinem Wohnzimmer.
Was mich am meisten faszinierte war der nun deutlich geschrumpfte Abstand nur Neumann. Lag die Artist bei der Solovorführung noch deutlich hinter der KH120A so war sie jetzt doch fast auf Augenhöhe aufgerückt. Gut, hier und da konnte es die Neumann für meine Ohren einfach „echter“ und authentischer,  aber dieser Klangvorsprung bewegte sich für mich nur noch im Bereich von Nuancen.

Egal welche Musik vom MacBook angeliefert wurde, die Kombi Artist 5 + Subwoofer setzte sie unbeschwert in Szene und lud immer wieder zum Fußwippen ein. Aus der Fehlersuche (was kann die Neumann besser?) wurde einfach totaler Musikgenuss. In Hinblick auf den aufgerufenen Preis hatte ich meinen Gewinner gefunden.

Gründe für meinen Gewinner, die Adam Artist 5

Ok, die Wahl ist gefallen und die Entscheidung geht zugunsten der Adam Artist 5 aus – nur warum die Artist, wo doch die Neumann besser ist? Im Endeffekt haben hauptsächlich zwei Gründe schlussendlich für den Kauf der Adam Artist 5 gesprochen, welche ich kurz ansprechen möchte:

Preis / Leistung

Preis/Leistung ist für mich immer ein nicht unerheblicher Faktor, den ich bei meinen Kaufentscheidungen immer mit einbeziehe.
In diesem Fall bezahle ich (dank im Preis reduzierter B-Ware) für zwei Artist 5 noch deutlich weniger als wie für eine(!) KH120A oder anders gesagt die 120er kostet mehr doppelt so viel wie eine Artist 5 als B-Ware.
In meinen Augen (und Ohren) steht aber der „Klangzuwachs“ der Neumann gegenüber der Artist 5 nicht in Relation zum aufgerufenen Aufpreis von mehr als 100%, der klangliche Vorsprung der Neumann gegenüber der Adam schrumpft für meine Ohren durch den Einsatz eines Subwoofers doch deutlich zusammen.
Das durch den Kauf der Artist 5 gesparte Geld investiere ich dann in das Tuning der Raumakustik sowie einen besseren DAC um noch ein wenig mehr aus der Wiedergabekette rauszuholen.

Optik

Selbst eingefleischte Neumann-Fans müssen gestehen, das aus optischen Gesichtspunkten die Artist 5 mit ihrem Hochglanz-Finish einfach besser in ein Wohnzimmer passt als die KH 120 A mit ihrem doch eher rustikalem auftreten. Die fest verbauten Metall-Lautsprechergitter sorgen zusätzlich für eine, in meinen Augen „grobe“ Optik, dazu kommt noch der deutlich sichtbare Halbschalen-Look der mir auch nicht wirklich gefällt.
Wenn ich an der Optik der Adam was zu kritisieren hätte, dann höchstens das Frontpanel, welches die Optik ein wenig stört – ohne Panel (bzw mit auf die Rückseite versetztem Panel) würde der Look deutlich cleaner wirken.

Zum Schluss…

Soviel zu meinem kleinen Lautsprecher-Shootout und den bereits vollzogenen Wechsel zum Aktivlautsprecher. Ich bin mit meinen Lautsprechern sehr zufrieden und höre mich aktuell durch meine Musiksammlung – hier und da gibt es tatsächlich noch einiges bis jetzt nicht gehörtes zu entdecken.
Vielleicht ist ja bei dem ein oder andere Leser nun das Interesse geweckt, auch mal Aktivlautsprecher in seiner gewohnten Hörumgebung zu testen – ihr werdet überrascht sein, was mit den kleinen (oder wenn das Kleingeld vorhanden ist großen) Aktivmonitoren so alles geht – give it a try!

 

13 Gedanken zu “Zeit zum Wechseln : Studiotechnik im Wohnzimmer (2)

  1. Pingback: Studiotechnik im Wohnzimmer (1) - Monitore Adam Artist 5 und Neumann KH 120A im Test - Review Erfahrungen | Sypke.de

  2. Hallo Daniel,

    danke für die zwei lesenswerten Artikel,
    die mich gerade wegen dem angesprochenen
    P/L Verhältnis und die, deiner Meinung, nach
    geringen Unterschiede (Neumann – Adam) zum
    nachdenken bringen.

    Gruß

    Christoph

      • Ob der Aufpreis zur Neumann wirklich wert
        ist.

        Ich werde in meiner Kette immer einen Sub.
        verwenden, von daher freue ich mich, wenn
        man sich das Geld sparen kann, wenn der
        Unterschied recht gering ist.

        • Also meiner Meinung nach nein (steht ja auch im Artikel)…. Da aber Musikhören eine sehr subjektive Angelegenheit ist hat meine Hörerfahrung natürlich keine Allgemeingültigkeit. Von daher hilft nur selber ausprobieren.

  3. hey,

    könntest du mir bitte einen Link schicken? Hat dein Sub bezüglich der Trennsequenz keine Probleme gemacht?
    Ich bin nämlich auf der Suche nach einem geeigneten Sub für meine kh120…..das original wäre mir da zuteurer.. habe den adam sub 8 oder sub10 im Auge.
    Alternativ der Klein und Hummel 810……nur genauso teuer :P!

  4. hi Daniel danke für Deinen Vergleich

    ich hatte auch mal den Fiio Dac habe dann mal bei nem Kumpel die Möglichkeit gehabt nen Sabre 9018 zu hören, es war schon ein ordentlicher Unterschied zu hören und die Sabre 9018 Dacs gibts ab glaub so 80 euro von Hifimedy über Audiofly für 150 Euro bis zu x 100Euro

    habe mir dann nen Hifime (der Shop gehört zu Hifimedy) Sabre 9018 bei Amazon gekauft und bin Glücklich

    • sorry soll -hifimediy- heißen kannst Du es bitte verbessern

      Dankeschön

      ich seh auch grad das Du ja auch die Module von denen hast finde das Preis Leistungverhältniss dort einfach gut habe ein paar sSachen von denen

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