Neue Subwoofer braucht das Land….

Im März berichtete ich über meine damalige Neuanschaffung in Form eines 8″ Aktivsubwoofer (Isobarik Bandpass). Klanglich stellte mich der Tieftonarbeiter aus dem Hause LD Systems zufrieden aber auf Dauer fehlte einfach die unterste Oktave…. Also doch was Großes!

Ok, die Versuchung war auch einfach zu groß… Im Hifi-Forum stolperte ich ca 14 Tage vor Baubeginn über einen Thread vom User THWO, welcher den Bau eines 18″ Aktivsubwoofers beschreibt. Soweit, so gut und nichts Besonderes – oder doch?

Geschlossenes Gehäuse mit Hochpassfilterung (GHP)

Doch, denn als Gehäuse entschied sich THWO für eine immer noch sehr selten anzutreffende Gehäuseart – ein geschlossenes Gehäuse mit passiver Hochpassfilterung (GHP). Vor Jahren las ich das erste mal über dieses Prinzip in der „Hobby Hifi“ von Bernd Timmermanns, hatte aber bis dato noch nichts nach diesem Prinzip gebaut.

Ein geschlossenes Gehäuse mit Hochpassfilterung ist (einfach gesagt) ein viel zu klein dimensioniertes/berechnetes Gehäuse (anstatt einer Güte von 0,7 hat es dadurch eine Güte von ca 1). Dummerweise bringt eine derart hohe Güte als Nachteil eine deutlich höhere Grenzfrequenz sowie einen unschönen Überschwinger im Frequenzgang (am unteren Ende des Übertragungsbereiches kurz vor dem Abfall der Kurve)  mit sich – auf der Habenseite punktet der GHP mit deutlich kleinerem Volumen (in diesem Fall statt rd 100l netto nur 75l ) sowie einer sehr präzisen Wiedergabe (ebenfalls Nebeneffekt durch das verkleinerte Volumen). Damit die Grenzfrequenz wieder in normale Bereiche rutscht und auch der Buckel im Frequenzgang verschwindet wird in Reihe zum Lautsprecherchassis eine große Kapazität in Reihe geschaltet. In diesem Fall sind es 800µF….  Für genauere Details und ein paar Formeln zur Berechnung einfach den oben verlinkten Thread im Forum durchlesen….

Ok, der Bauvorschlag hatte mein Interesse geweckt – 18″ und 75l netto? Super, braucht nicht viel Platz/Volumen (für ein 46cm Chassis) und dazu sehr pegelfest 🙂

Mivoc AWX184 – 18″ Subwooferchassis mit 4 Ohm und ein Aktivmodul mit DSP

Achja, nicht unwichtig : Als Chassis kommt der in der Selbstbau-Szene bekannte und geschätzte AWX184 von Mivoc / Speaker Trade Solingen zum Einsatz, der auch preislich (ca 150Euro) kein allzu großes Loch ins Portemonnaie reisst.

Die nächste Frage war… Welches Aktivmodul soll es werden? Aktivmodule gibt es wie Sand am Meer in allen Leistungsklassen und auch mit unterschiedlichster Ausstattung. Ich habe einige Internetseiten studiert und Datenblätter verglichen, am Schluss blieb ich dann am Wyntek WAM 300 DSP hängen (siehe auch den sehr informativen Artikel von Udo Wohlgemuth), welches alles mitbringt was ich für mein Projekt benötige :

  • 250W RMS an 4Ohm (der AWX184 ist ein 4Ohm Chassis)
  • 2Ohm stabil (ein 2ter Subwoofer ist also nicht ausgeschlossen 😉 )
  • Fernbedienung
  • einstellbarer Tiefpass
  • einstellbarer Hochpass (Subsonic)
  • Equalizer mit 9 Bändern
  • einstellbare Phasenlage

Das Beste : Das Modul bzw die Aktivweiche / Equalizer lässt sich komplett über den PC/Mac programmieren – top! Der Preis von 250Euro geht angesichts der Features und Ausgangsleistung mehr als in Ordnung. Ergebnis : 1 Aktivmodul weniger in Udo´s Lagerraum.

Der Gehäusebau

Mittlerweile hatte ich auch Urlaub und ich konnte mich an den Bau des Gehäuses machen. Da ich eher zu den ungeduldigen Vertretern gehöre und der Baumarkt kein 22mm MDF vor Ort hatte, habe ich den Zuschnitt in 22mm Spanplatte roh zusägen lassen.
Die genauen Plattenmaße habe ich nicht mehr im Kopf, die Außenmaße betragen auf jeden Fall 50cm(B) x 50cm(H) x 42,5cm(T).

Zum Bau gibt es nicht wirklich viel zu schreiben, ist ja auch einfach eine rechteckige Kiste mit Versteifungen :

Wyntek WAM 300 DSP

Perfektes Timing bewies die Post, als es das Paket mit dem Aktivmodul „just in time“ anlieferte, das Subwoofergehäuse war im Rohbau den gleichen Tag erst fertig geworden. Also schnell ausgepackt und was ich sah, sah wirklich gut aus…

Ein Modul mit sauberen Aufbau, welches über eine digitale Endstufe nebst Schaltnetzteil verfügt. Den Packungsinhalt vervollständigen ein Netzkabel, eine CD mit dem DSP-Konfigurationstool für Windows und Mac (unter Mountain Lion keinerlei Probleme) sowie ein USB Kabel zum Anschluss des Moduls am Rechner. Abgerundet wird der Lieferumfang durch eine Fernbedienung im Scheckkarten-Format.

Um flexibel zu bleiben habe ich dem Modul ein eigenes Gehäuse verpasst, dieses Mal sogar aus MDF 😉
Die Vorteile liegen auf der Hand : Ich komme bequem an die Frontplatte des Moduls ran und brauche nicht auf dem Boden hinter dem Subwoofer rumkriechen wenn ich etwas ändern oder ausprobieren möchte.

Optische Gestaltung von Subwoofer und Verstärkergehäuse

Bei der optischen Gestaltung vom Subwoofer- sowie dem Verstärkergehäuse hielt ich mich an die bereits gebauten SB18, d.h. mittig wurde das Holz mit cremeweißen Kunstleder (Tipp:  Würth Sprühkleber hält sehr sehr gut) bezogen, außen habe ich schwarz lasierte Seitenwangen aus 6mm Pappelsperrholz aufgeleimt.

Programmierung des DSP

Nachdem alles verkabelt war, habe ich (erstmal) nach Gehör den DSP programmiert.

Den Subsonic-Filter legte ich auf 20Hz/24dB/Oktave und der Tiefpass liegt bei ca 70Hz/24dB/Oktave. Da der Subwoofer ohne aktive Tiefbass-Entzerrung bei ca 45Hz abfällt habe ich mit dem EQ untenrum etwas an Pegel dazu gegeben, soll heißen 31Hz +3db und 25Hz/+5dB.  Die Einstellung der Phase brachte bei 135° das beste Ergebnis.

Mir ist klar, das diese Einstellung nicht entgültig ist und noch einer richtigen Anpassung an die Satelliten und des Raumes bedarf – dafür braucht es aber ein gescheites Meßmikro, das passende Programm sowie Zeit…. Ich denke mal im Herbst/Winter (wenn die dunkle Jahreszeit wieder beginnt) wird es dann zu umfangreichen Justagearbeiten und Einmeßorgien kommen..

Und wie klingt der Sub ?

Der Subwoofer ist sicherlich keine Pegelmaschine, ein Leisetreter ist er aber auch nicht. Dank der üppigen Leistung von rd 250W RMS kann der Subwoofer (sofern gefordert) Gläser zum Wandern bringen und zeigen, was im Tiefbass-Bereich so alles möglich ist (grad beim Heimkino-Einsatz darf es etwas mehr sein).
Die meiste Zeit besteht seine Aufgabe darin, den Frequenzbereich bei der Musikwiedergabe unauffällig nach unten zu erweitern. Der Subwoofer verrichtet nicht ortbar seinen Dienst und bietet eine unglaubliche Präzision wie ich sie bis jetzt noch nicht gehört habe.
Um es mit den Worten des „Erfinders“ THWO zu sagen : „Knochenhartes Peng und weg“. Kein Nachschwingen oder subsonisches Nachwabern wie man es oft bei günstigen Subwoofern beobachten (und natürlich auch hören) kann. Das Chassis folgt nicht zuletzt der hohen Kontrolle durch das Gehäuse exakt dem Musiksignal.
Und selbst wenn die Abhörlautstärke schon lange den Bereich der Zimmerlautstärke verlassen hat spielt das 18″ mit einer Lässigkeit, wie man sie nur von einem Chassis solchen Kalibers erwartet. Wo andere Subwoofer mit 12″ oder gar 10″ schon hörbar angestrengt (da am mechanischen Limit) klingen bleibt der AWX immer noch gelassen.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, was durch Feintuning im Winter noch aus dem Subwoofer rauszuholen ist. Ich kann den Nachbau auf jeden Fall nur Empfehlen.

Chapeau Till (aka THWO) !

10 Gedanken zu “Neue Subwoofer braucht das Land….

  1. Pingback: Aktivmonitor IMG Stage Line SOUND-65/SW als PC/Mac Lautsprecher | Sypke.de

  2. Herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Projekt und auch Dank für den positiven Kommentar.

    Inzwischen habe ich den Sub ja schon mehrfach gebaut, und bislang konnte er stets zur Freude der Eigner aufspielen.

    Es ist einfach diese Präzision und Dynamik ohne jede Übertreibung, die ihn von anderen unterscheidet. Ohne Risken, aber mit sehr angenehmen Nebenwirkungen…

    Noch weiterhin viel Freude mit diesem auch handwerklich schön umgesetzten Baby…

    Gruß,
    Till

  3. Pingback: Studiotechnik im Wohnzimmer (2) - Monitore Adam Artist 5 und Neumann KH 120A im Test - Review Erfahrungen | Sypke.de

  4. Pingback: DIY : Lautsprecherständer für Adam Audio Artist 5 im Eigenbau | Sypke.de

  5. Hi, habe dein Gehäuse nachgebaut und möchte es auch mit Kunstleder beziehen. Würde gerne wissen, wie du dein Kunstleder verarbeitet hast?
    Muss ich es einfach auf der Frontseite anbringen und an den Seiten etwas überlappen lassen, damit man nachher den Rest mit dem Sperrholz verdecken kann?

    Danke und Gruß, Stefan

    • Hallo Stefan,

      das Kunstleder habe ich einmal um das Gehäuse (Front/Rück/Deckel und Boden) drumherum geklebt (guten(!) Sprühkleber verwenden, zB von Würth -> http://goo.gl/kGaEQb ) und dann seitlich umgeschlagen.
      Als Sichtschutz habe ich dann die Seitenwangen aufgeklebt.

      Gruß
      Daniel

  6. Hallo, würde mir auch gerne diesen Sub bauen. Nun habe ich zu dem Projekt noch eine Frage. Im HiFi-Forum hast du erwähnt, daß du den Sub mit einer Kondensatorbatterie ausgestattet hast. Hier in dem Bauvorschlag liest man aber nichts von Kondensatoren. Bist du derweil davon abgekommen weil die Kondis in Verbindung mit dem DSP-Modul eventuell keine merkliche klangliche Verbesserung bringen oder hast du sie der Einfachheit und leichteren Ausführbarkeit halber weggelassen?

    Vielen Dank und Gruß,
    Volker

    • Hallo Volker,
      die Kondensatoren hatte ich verbaut (8x 100µF parallel) da ohne die Kondensatoren das GHP Gehäuse nicht funktioniert bzw a) die Grenzfrequenz viel zu hoch ist und b) der Frequenzverlauf einen unschönen Buckel (Peak) bekommt.

      Gruß

  7. Hallo
    Toller Bericht und schöner Sub!
    Was mich beschäftigt,ist deine Aussage:“Der Subwoofer ist sicherlich keine Pegelmaschine, ein Leisetreter ist er aber auch nicht.“
    Wie kann ich mir das Vorstellen?
    Ich suche einen Sub,der massive ,trockene Bassschläge in meine Magengrube haut! Nur für Musik!!! Und das in ziemlich laut!
    Ist das deiner Meinung nach der richtige Sub dafür?
    Gruß Olli

    • Hallo Olli,
      der Sub ist zum Musikhören wirklich gut, nur nicht unbedingt für „livehafte Lautstärke“, da es ihm schlicht an Wirkungsgrad fehlt. Wenn es dir um Pegel sowie ordentlichen Punch geht, ist das 18″ Chassis in einem Bassreflex-Gehäuse mit einer Abstimmung zw 30 und 40Hz mit Sicherheit besser aufgehoben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.