29. Dezember 2021

Einspielen von Lautsprechern - Sinnvoll oder Voodoo ?

Das Einspielen (im Szene-Slang auch als „break in“ bezeichnet) von Lautsprecher-Chassis ist in der (automobilen) Hifi-Szene nicht unumstritten. Während die einen „ist alles Voodoo“ sagen,  sagen die anderen das es „ein Muss“ ist. Dazu sollte man auch das Chassis betrachten, welches verbaut wird. Mitteltöner? Tieftöner? Subwoofer? Was stimmt denn nun ?

Natürlich habe ich mich auch schon mehrfach mit dieser Frage beschäftigt und möchte in diesem Artikel mal ganz nüchtern an die Sache rangehen, d.h. mittels vorhandener Messtechnik, wobei ich mich auf CarHifi Subwoofer beschränken möchte.

Glücklicherweise bin ich in der Lage, über ein Dayton Audio DATS V3 ** verfügen zu können, welches sich schon mehrfach für die Ermittlung von TSP Daten bewährt hat.

Hinweis : Mehr Infos zu dieser sehr nützlichen USB Box und deren einfachen Anwendung habe ich in diesem Artikel beschrieben.

Das sagt die Industrie

Die Hersteller von High Performance Subwoofer Chassis im mobilen Hifi-Bereich sind sich eigentlich einig, dass der „break in“ vor der Anwendung mit viel Endstufen-Leistung wichtig und notwendig ist. Hier z.B. ein entsprechendes Video von Digital Designs (DD) :

Dazu gibt es noch auf der Homepage von DD eine kurze und knackige Erklärung, was genau im Detail während des Einspielvorgangs am/im Chassis passiert :

What’s physically happening to the sub is the resins in the spider pack begin to break apart and soften. The woven poly-cotton fibers that compose the spiders begin to stretch out, and the surround has a chance to become more pliant. As everything loosens up your sub will have more excursion and there will be a shift in the electro-mechanical parameters. Since a broken-in suspension allows the subwoofer to move with greater excursion it will be able to more effectively cool itself (see animation above). The parameter shift we mentioned happens as your subwoofer’s suspension breaks in and the FS (free-air resonance) decreases by as much as 15-20%. In case you don’t know the FS of a driver is the frequency at which it has the highest volume output with the lowest power input. This means it takes less power to create the same output at a lower frequency.

Quelle : Digital Designs Homepage, "Tech Talk"

Für mich ist die Aussage des Videos / der Homepage absolut schlüssig, gerade bei Subwoofern mit hoher Belastbarkeit / hoher Auslenkung - und Digital Designs baut ja auch nicht erst seit gestern Subwoofer.

Ich hätte es jedoch trotzdem gerne schwarz auf weiß. Da trifft es sich doch sehr gut, dass ich einen neuen 15“ Subwoofer von Pride Audio gekauft habe. Also das perfekte Testobjekt für Sinn/Unsinn von einem Einspielen eines Subwoofers.

Der Testaufbau

Der Lautsprecher wird ohne Gehäuse (also Free Air) an einer Endstufe angeschlossen und diverse Stunden bei geringer bis moderater Leistung bei einer Frequenz zwischen 20 und 50Hz „eingespielt“. Vor der Inbetriebnahme werden die wichtigsten TSP Daten mit dem DATS ermittelt und danach die Messung in gewissen Abständen während des „break ins“ mehrfach wiederholt. Sollte diese Erstinbetriebnahme Einfluss auf das Chassis haben, müssen sich folglich der/die Parameter über die Zeit ändern. Digital

Das Ende des Einspielvorgangs ist erreicht, wenn mit zunehmender Zeit sich die Resonanzfrequenz F(s) nicht mehr verändert. Also los geht’s

Die Messergebnisse

Die Tabelle zeigt Auskunft über die ermittelten Daten, vom Auspacken des russischen Subwoofers bis zum Ende des Versuches nach diversen Betriebsstunden.

Da es nur ein paar Mausklicke benötigt, habe ich die ermittelten Daten auch noch grafisch entsprechend aufgearbeitet...

Die Auswertung

Also in meinen Augen ist der „break in“ messtechnisch definitiv belegbar, die TSP des Lautsprecherchassis verändern sich deutlich (die F(s) sinkt z.B. um gute 25%) und der eigentliche „Klang“ stellt sich erst nach diversen Stunden ein. Gerade das Absinken der Resonanzfrequenz Fs zeigt deutlich, dass ein Subwoofer in seiner Aufhängung erst geschmeidig werden muss, um entsprechende hohe elektrische Signale auch problemlos in mechanisch hohe Bewegung umsetzen zu können. Das der Lautsprecher über die Zeit "gefühlt" im gleichen Gehäuse tiefer sowie auch lauter (da weniger mechanischer Widerstand durch die Aufhängung) spielt, wäre damit auch erklärt.

Das Video von Digital Designs macht also absolut Sinn und auch der Hinweis, die ersten Stunden den Lautsprecher zu schonen.

Was denkst du über dieses Thema ?

Hinweis :

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