Optimieren der Raumakustik (2) – DIY Raumakustikelemente

Wenn es darum geht im heimischen Wohnzimmer neue klangliche Sphären zu erreichen, denken die meisten Anwender fast immer an den Austausch von Elektronikkomponenten / Lautsprechern oder Kabeln.

In vielen Fällen sind deutliche Steigerungen im Klang bereits „für umme“ bzw mit überschaubaren finanziellem Aufwand möglich – etwas Zeit und Lust zum Basteln vorrausgesetzt.

Hinweis : Mir ist natürlich klar, das das Thema Raumakustik deutlich komplexer ist als hier angesprochen. Da aber nicht jeder Zeit/Lust/Equipment/Geld für ein „Rundum-Sorglos-Paket“ hat (von der Optik eines idealen Musikzimmers mal abgesehen) soll es hier nur um günstige, einfach zu bauende aber effektive Mittel gehen.

 

Klangtuning die Erste (und dazu völlig kostenlos) : Lautsprecheraufstellung

Erste klangoptimierende (und kostenlose) Maßnahme sollte immer die richtige Aufstellung bzw die optimale Ausrichtung der Lautsprecher / des Subwoofers sein. Je nachdem wie und wo die Lautsprecher/der Subwoofer aufgestellt werden kann es schon zu gravierenden Steigerungen in der Wiedergabe kommen.
Auf der Homepage von audio physic gibt es eine tolle, informative (und interaktive!) Artikelreihe zum Thema Lautsprecheraufstellung und –ausrichtung.

Klangtuning die Zweite : DIY Akustikelemente aus Basotect

Der nächste Ansatz auf dem Weg zum besseren Klang ist die Behandlung des Raumes, in dem Musik gehört wird. Während der direkte Schall (also der Schall, welcher vom Lautsprecher zum Ohr geht) gewünscht ist, macht der indirekte Schall einem ordentlichen Klang schnell einen Strich durch die Rechnung.

Da sich Schallwellen kugelförmig ausbreiten, kommen sie natürlich auch am Fußboden bzw an der Decke und den Wänden an. Dort wird der Schall reflektiert und kommt (als indirekter Schall) bei unseren Ohren an. Dummerweise ist die Laufzeit des indirekten Schalls (auf Grund des längeren Weges) länger als die des direkten und daher hören wir den indirekten Schall erst etwas später – wie ein Echo im Gebirge, nur mit deutlich geringerer Verzögerung. Ist der Anteil an indirektem Schall bei Musikhören nun zu hoch, kann der indirekte Schall leisere Passagen des direkten überlagern, die Höhen werden dumpfer, die Raumlichkeit nimmt ab und im schlimmsten Falle klingt es (übertrieben) dann wie in einer Bahnhofshalle.
Dieses auch „Flatterecho“ genannte Phänomen lässt sich auch leicht und ohne Elektronik mit einem einfachen Händeklatschen am Hörplatz erzeugen. Im Idealfall gibt es keinen Nachhall, in nackten Räumen ohne Einrichtung ist ein deutliches, leicht verzögertes Echo (=Nachall) hörbar.

Da das menschliche Ohr für einen natürlich Klang aber dennoch indirekten Schall benötigt (wer schon einmal in einem „schalltoten“ Raum nur mit direktem Schall war weiß, wovon ich Rede) , ist das Ziel den Anteil des indirekten Schalls nur abzusenken und nicht vollständig zu eliminieren.

Wunderwaffe im Kampf gegen schlechten Raumklang : Basotect von BASF

Wenn man das Internet nach (Selbstbau) Absorbern durchstreift kommt man eigentlich sofort auf Basotect-Platten, ein offenporiger Schaumstoff, welcher von BASF hergestellt werden und im Frequenzbereich >450Hz den indirekten Schall absorbiert.

Um genau zu sein beträgt der Absorpationsgrad von 3cm Basotectplatten bei 450Hz 20%, bei 1000Hz 50% und bei 2000Hz 80%  – die Platten wirken also nur im Mittel- und Hochtonbereich, Raummoden kann man damit nicht bekämpfen (den fiesen stehenden Wellen im Bassbereich widme ich einen eigenen Artikel). Werden die Platten mit Abstand an der Wand befestigt, so lässt sich der Absorptionsgrad nochmals steigern.

Akustik-Absorber aus Basotect im Eigenbau / Selbstbau (DIY)

Okay, wir wissen nun das Platten aus Basotect das Material unserer Wahl sind und das die Platten für eine noch bessere Wirkung mit Abstand zur Wand montiert werden sollten. Damit der Absorber auch nach etwas aussieht, sollte er optisch auch noch etwas aufgewertet werden.

Die meisten Selbstbau-Absorber werden mit einem Rahmen aus Holz versehen (sorgt auch für den Abstand zur Wand), was eine schöne Optik bietet, aber auf der anderen Seite den Absorber deutlich schwerer macht. Da der hier vorgestellte Absorber eh mit Stoff bespannt wird habe ich mich als Leichtbau-Alternative zum Holzrahmen zu einem Rahmen aus 5cm starken Styropor entschieden – und dieser Leichtbau, soviel sei jetzt schon verraten, erleichtert die anschließende Wandmontage unheimlich

Für einen Absorber benötigen wir nun folgende Materialien :

  • 1x Basotect Platte 100cm x 50cm , 5cm stark
  • 1x Styropor Platte 100cm x 50cm , 5cm stark (eine dünnere Platte geht natürlich auch, verringert aber den Absorptionseffekt)
  • schalldurchlässiger Stoff zum bespannen der Absorber, idealerweise Akustikstoff, 125cm x 75cm, Farbe nach Geschmack
  • Sprühkleber (Achtung : Auf Verträglichkeit mit Styropor achten!) oder doppelseitiges Klebeband (hier nicht sparen und besser ein Markenprodukt mit langanhaltener Klebekraft kaufen!)

Preis pro Absorber (100cm x 50cm) : ca 30Euro

Benötigtes Werkzeug :

  • Schere / Teppichmesser

Der Bau der Absorber gestaltet sich sehr einfach :

  1. Die Styroporplatte dient dazu, Abstand zur Wand zu schaffen. Da der Effekt der besseren Aborption aber nur dann auftritt, wenn sich hinter der Basotectplatte Luft befindet, wird die Styroporplatte mit dem Cutter so geschnitten, das nur ein umlaufender + mittiger Steg von ca 8cm Breite übrig bleibt.
  2. Mittels Sprühkleber oder doppelseitigem Klebeband den Styroporrahmen mit der Basotectplatte dauerhaft verbinden. Sollte eine der Platten an den Rändern etwas überstehen, muss diese Kante mit dem Cutter noch bündig geschnitten werden.
  3. Das Basotect/Styropor-Konstrukt mit Stoff beziehen und auf der Rückseite mittels Doppelklebeband mit dem Stoff verkleben. Eine Verklebung mit Sprühkleber auf der Vorderseite ist natürlich auch möglich, nur dann bitte sehr dünn auftragen da sonst der Sprühkleber a) durch den Stoff drücken kann und so sichtbar wird und/oder b) die Poren des Basotect zusetzt.
  4. Fertig!

Die Montage der Absorber ist noch einfacher als der Bau, dank des geringen Gewichtes werden pro Absorber nur 2 lange Stahlnägel (40-60mm lang) sowie ein Hammer + Wasserwaage benötigt (selbst 1 Nagel hält die Konstruktion problemlos)
In der gewünschten Höhe zwei Nägel waagerecht im Abstand von 30cm ca 10mm in die Wand schlagen. Nun den Absorber ausrichten und gegen die Wand drücken. Die Nägel bohren sich ca 30-50mm ins Styropor und halten den Ultraleicht-Absorber problemlos. Eine Montage mit Schrauben und Dübeln ist nicht nötig.

Dadurch, das die Absorber so schnell aufgehängt und auch abgenommen sind lässt sich bestimmt auch ein Kompromiss mit der kritischen Ehefrau/Freundin finden – die Teile werden dann nur aufgehängt, wenn man „richtig“ Musik hört, im normalen Alltag verschwinden sie dann unterm Bett, im Schrank…. Kein Absorber, keine Diskussionen 😀

Weiterer Vorteil : Bei einem evtl Umzug sind der/die Absorber auch schnell wieder abgenommen und die Nägle hinterlassen nur sehr kleine Löcher, die problemlos mit einem Tropfen Farbe zu kaschieren sind.

Wer keine Lust auf Hammer und Nagel hat, kann den/die Absorber auch dauerhaft mittels Silikon / Acryl / Montagekleber mit der Wand verbinden.

Der richtige Aufstellungsort für Absorber

Die Absorber sind gebaut und mit Stoff bespannt – aber WO sollten die fertigen DIY Absorber für maximale Effektivität nun am Besten montiert werden?

Wie bereits geschrieben sind es die Wände, die Decke und der Fußboden, die für den indirekten Schall verantwortlich sind. Auf dem Boden gehören natürlich keine Absorber, hier hat sich ein langflooriger Teppich/Läufer sehr gut bewährt.

Bei den Wänden würde ich als erstes die Seiten mit Absorbern behandeln.
Die richtige Position ist schnell durch die Spiegelmethode gefunden. Spiegelmethode?!
Ganz einfach : Man setzt sich auf den Hörplatz und ein Helfer schiebt an an beiden Wänden zwischen den Lautsprechern und dem Hörplatz einen Spiegel lang. Sobald man auf dem Hörplatz im Spiegel die Mebranen der Lautsprecher sehen kann, hat man den idealen Platz für die Absorber gefunden (Einfallswinkel = Ausfallswinkel). An dieser Stelle werden nun die Absorber hochkant montiert.

Wer die Raumakustik weiter optimieren möchte (und auch dafür die Erlaubnis hat 😉 ) der sollte im nächsten Schritt 2-3 Absorber hochkant an der Wand hinter der Hörposition auf Ohrhöhe montieren. Das macht vor allem eine Menge bei einem wandnahen Hörplatz aus

Last but not least können an der (vom Hörplatz aus) vorderen Wand mittig zwischen den Lautsprechern 2 Absorber ihren Platz finden. Da in meinem Fall dort aber der Fernseher hängt habe ich die Stelle nicht weiter bedämpft.

Sonderfall Deckenmontage

Bei der Deckenmontage kann auf den Styroporrahmen verzichtet werden, die Platte kann auch so roh (ggf mit Stoffbespannung) aufgrund des geringen Gewichts problemlos mit etwas Drachenschnur/Angelschnur (so gut wie unsichtbar) und kleinen Löchern in der Platte mit etwas Abstand von der Decke (auch hier ca 5cm) abgehängt werden.
Die richtige Position lässt sich auch hier mittels Spiegelmethode (leichten Spiegel verwenden, der Helfer wirds danken 😉 ) ausfindig machen, eine zusätzliche Anbringung um die Hörposition herum kann darüber hinaus nicht schaden.

Fazit zu den Selbstbau Basotect Absorbern

Bevor man beim nächsten geplanten Hifi-Upgrade wieder viele hundert Euro zum Händler seines Vertrauens trägt, sollte man sich Gedanken machen, ob die Aufstellung der Lautsprecher und Raumakustik nicht erstmal optimiert werden sollte. Merke: auch Referenzlautsprecher im 5-6stelligen Preisbereich klingen in einem unbehandelten Raum nur mittelmäßig.

Und selbst das ungeübte Ohr hört bei dem Einsatz der hier vorgestellten Selbstbau-Absorbern einen deutlichen Unterschied. Man sollte den Ohren aber die Gelegenheit geben, sich an die neuen akustischen Eigenheiten des Raumes anzupassen. Je nach Hörgewohnheit kann es am Anfang zwar anders, aber nicht besser klingen. Mit der Zeit wird man aber einen deutlichen Zugewinn an Details erkennen bzw erhören können.

PS : Selbstverständlich profitiert auch ein Heimkino vom einem umfangreichen Raumakustik-Tuning mit Basotect Platten.

PS 2 : Wer keine Lust auf Selbstbau hat, findet auch fertige, bedruckte Basotect-Absorber im gut sortierten Fachhandel.

PS 3 : Evtl Veränderungen an der Einrichtung der guten Stube sollten ggf. mit der Ehefrau/Freundin abgesprochen werden – die haben nicht immer Verständnis für klangsteigernde Basotect-Platten an der Wand 😉

PS 4 : Offene Bücherregale, welche mit unterschiedlich tiefen und hohen Büchern bestückt sind absorbieren zwar keinen Schall, sorgen aber dank der unregelmäßigen Oberfläche für eine Streuung des indirekten Schalls in unterschiedliche Richtungen was auch der Raumakustik zuträglich ist.

Bisher erschienene Teile zum Thema Raumakustik :

Teil 1 – Die Ausstattung
Teil 2 – Raumakustikelemente im Eigenbau

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