Speedport W 724V – ein würdiger Nachfolger für meine Fritzbox 7390 ?

Auslastung DSL EWEEin Umzug hat nicht unbedingt nur Vorteile. Während ich seit dem letzten Wohnungswechsel auf deutlich mehr Wohnfläche, eine Doppelgarage sowie endlich Platz für ein eigenes HomeGym zurückgreifen kann, hat sich die Anbindung an das Internet eklatant verschlechtert (um genauer zu sein um den Faktor 8).

DSL heisst nicht automatisch schneller Internetzugang

Während ich an meinem alten Wohnort (quasi in „Wittmund City“) dank Kabelanschluss theoretisch auf eine 100.000er Leitung Zugriff hatte (mir reichte ein 16.000er Zugang), ist zwar an der neuen Adresse theoretisch eine Leitung mit 16000er Anbindung möglich, aber dank der Länge der letzten Meile (und damit verbundenen Übertragungsfehler bei hohen Geschwindigkeiten) ist nur eine stabile Verbindung mit sagenhaften 1,9(!!) MBit umsetzbar (das wusste mein Internetprovider, die EWE, natürlich schon seit Jahren aus Erfahrung, nur bei der DSL-Beantragung vergaß man wohl diesen kleinen Erfahrungswert zu erwähnen – da war immer nur die Rede von schnellen 16MBit ). Egal, shit happens.

Nicht schön : Wenn von der 16 MBit Leitung nur 2 übrig bleiben

Nicht schön : Wenn von der 16 MBit Leitung nur 2 übrig bleiben

Dummerweise ist eine (optimistisch gerechnete) 2 MBit Leitung für jemanden, der (samt Ehefrau und Kindern) das Internet intensiv nutzt (Recherche, Streaming, IPTV, Updates, Gaming…) so eine Anbindung nicht mehr als ein schlechter Kompromiss (mit viel Zähneknirschen). Zu oft ist die DSL Verbindung „dicht“ und selbst ein Minecraft-Letsplay, welches vom jüngsten Stammhalter per Smartphone in 480p geschaut wird, treibt die stark begrenzte Bandbreite schon an das (viel zu schnell erreichte) Limit. Von HD-Filmen will ich mal gar nicht reden…..

Das Wunder von Willen (oder so…)

Das es doch so etwas wie Wunder gibt zeigt sich darin, das die Telekom Ende 2014 die VDSL Versorgung in der Region weiter ausgebaut hat und sogar mein Dorf mit seinen ca 1700 Anwohnern angebunden wurde.

Durch einen Bekannten erfuhr ich, das diese neuen Leitungen ab dem 01.01.15  über die Telekom angemietet werden können. Zwar handelt es sich „nur“ um das kleine VDSL mit 25MBit, aber selbst wenn nur 20MBit an meiner TAE Dose ankommen, wäre das schon der Himmel auf Erden.
Einziger Nachteil : Da ich meinen EWE Vertrag erst im Mai 2014 abgeschlossen habe, darf ich bis 05.2016 diesen auch weiterhin bezahlen – aber das ist ein Opfer, das ich für eine schnelle Internetverbindung gerne bereit bin, zu bringen.

Anbieterwechsel = Routerwechsel ??

Aktuell nutze ich eine AVM FRITZ!Box 7390 in der EWE Edition, also mit Provider-Branding (= angepasster Firmware). Da ich nicht 100% in Erfahrung bringen konnte, ob die gebrandete Version auch mit dem von mir bestellten Telekom VDSL 25 Anschluss inkl VOIP Telefonie einwandfrei Zusammenarbeitet UND ich keine Lust habe an der FRITZ!Box eine AVM Firmware aufzuspielen (Stichwort Garantie), habe ich bei der Telekom zum VDSL-Anschluss den Speedport W 724V (A) mit geordert (kann ja wieder zurückgeschickt werden).

Die Frage, die sich mir nun stellt : Ist der Router der Telekom ein adäquater Ersatz für die Fritzbox ?

FRITZ!Box – Ein (fast) perfekter DSL-Router

Seit ich via Kabel Deutschland ins Internet gegangen bin, hängt in meinem Büro ein Router aus dem Hause AVM, und ich muss sagen, ich habe die FRITZ!Box und deren Features sehr zu schätzen gelernt.

Fast eine eierlegende Wollmichsau : AVM Fritz!Box 7390

Fast eine eierlegende Wollmichsau : AVM Fritz!Box 7390

 

Neben einer einfachen Administration (selbst im Experten Modus) verfügen die Router von AVM über Funktionen, die nicht bei den am Markt befindlichen Geräten selbstverständlich sind :

Anschlüsse :

  • Integrierter Gigabit Switch mit 4 Ports
  • 1x USB (leider nur 2.0) Steckplatz für Sticks bzw externe Festplatte (DLNA und NAS Funktion)
  • Anschlussmöglichkeit für bis zu 2 analoge Telefone/Faxgeräte per TAE oder RJ45 (brauche ich für den Anschluss meines analogen Fax Gerätes)

Internet :

  • Grafische Darstellung vom Up- und Downloadstream in Echtzeit samt Geschwindigkeitsangabe
  • Gute Kindersicherung (URL Filter wie auch Zeitmanagement für die Online-Zeit)
  • Verschiedene Filteregeln möglich
  • Firmware-Updates problemlos einspielbar (bei gebrandeten Boxen allerdings mit Einschränkungen)
  • Bandbreiten-Priorisierung von bestimmten Endgeräten bzw dessen Programme möglich

Wlan :

  • WiFi Clients können individuelle Namen zugeordnet werden (unabhänging vom Namen, den die Wlan-Clients angeben)
  • Zwei Funknetze (2,4 und 5GHz)
  • Einfach einzubindende Repeater zur Reichweitenerhöhung (ich selber habe den 300er von AVM im Einsatz)

Telefonie :

  • FRITZ!Box ist eine komplette DECT Basisstation
  • Integrierter Analogadapter für den Betrieb von Analogtelefonen am ISDN Netz
  • Sofern es die genutzten DECT-Telefone unterstützen kann auf das Telefonbuch in der FRITZ!Box zugegriffen werden
  • Jeder Rufnummer / MSN kann ein eigener Anrufbeantworter mit spezieller Ansage eingerichtet werden
  • Pushen von aufgesprochenen AB-Nachrichten als .wav Datei via Email
  • Erstellung von Protokoll-Emails (eingegangene / ausgegangene Anrufe mit Datum/Zeit und Anrufdauer)
  • Bei ISDN Nutzung gute MSN Verwaltung samt Zuweisung Telefon/Fax/Anrufbeantworter

Natürlich sind das jetzt nicht alle Möglichkeiten, die so eine Fritzbox mit sich bringt, aber wie bereits angesprochen sind es aber genau diese Features, die ich nicht mehr missen möchte.

Das große Manko – FRITZ!Box als DLNA Server

Seitdem ich die Fritzbox von Kabel Deutschland zu Hause hatte, stört mich eine Sache an der Fritzbox jedoch gewaltig, und zwar die Möglichkeit die Box (bei angeschlossener Festplatte mit Medieninhalten wie Videos, Musik und Fotos) als DLNA Server nutzen.  Warum?

Ganz einfach, die Indexierung der per USB angeschlossenen Festplatte dauert einfach viel zu lange, was gerade bei einer gut befüllten HDD dem wartenden User wie eine Ewigkeit vorkommt – da hilft es auch nicht, das der Router von Haus aus das NTFS Format (gerade bei großen HD Videos wichtig) unterstützt. Dazu kommt der Umstand, das eine neue (langwierige) Indexierung jedes Mal komplett erfolgt, auch wenn nur ein paar Dateien hinzugefügt oder gelöscht worden sind (ebenfalls wird beim Reboot des Routers neu indexiert). Das nervt gewaltig!

Der Wechsel – leider nicht problemlos

Der Umschaltvorgang vom EWE DSL auf das VDSL der Telekom funktionierte leider nicht so gut wie am Anfang gedacht und auch von der Telekom angekündigt. Nachdem sich der Bereitsstellungstermin (ohne mir erkennbaren Grund) um eine Woche nach hinten verschob, funktionierte auch die Bereitstellung am neuen Termin nicht so wie gedacht… Nach diversen Telefonaten mit der Telekom-Hotline und sehr vielen Minuten in der Warteschleife stellte ich heraus, das die Telekom das VDSL auf ein nicht belegtes Adernpaar im Hausanschlusskasten aufgeklemmt hatte.

Nach einem internetlosen Wochenende (man überlebt so etwas tatsächlich 😉 ) kam am Montag wie versprochen der Techniker, der das Problem in weniger als 10 Minuten löste. Erfolg auf der ganzen Linie? Nicht so ganz.

Denn seit der Auftragsbestätigung (20.01.) bis zur tatsächlichen Inbetriebnahme des VDSL Anschlusses am 09.02. war es der Telekom nicht möglich, mir den neuen Speedport-Router zukommen zu lassen.

Also die Fritz!Box umprogrammiert und auch gleich ein Problem der 7390 ans Tageslicht befördert. Die Fritz!Box mochte von der EWE Konfiguration nicht so ohne weites auf die Telekom-Konfig umswitchen, erst nach dem Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen und erneuerter Konfiguration ließ sich der EWE Router zu einer Zusammenarbeit mit dem VDSL der Telekom überreden.

Und siehe da, die versprochenen Werte werden auch tatsächlich in der Praxis erreicht, d.h. 25MBit Down- und 5MBit Upstream 🙂 Das heisst, das mein Upstream jetzt mehr als doppelt so schnell ist wie vorher unter ADSL mein Downstream. 🙂 🙂

Auslastung VDSL Telekom

Zwar noch über die Fritz!Box, aber das VDSL läuft bzw rennt – endlich wieder schnelles Internet :)

Speedport W 724V ein guter Ersatz?

Schon im Vorfeld habe ich in das Handbuch des Telekom-Routers studiert um zu schauen, was das Teil so kann und soweit sah es auch vielversprechend aus (zB kommt der USB Anschluss sogar mit HFS Partitionen klar – sauber!). Aber wie heisst es so schön? Theorie und Praxis müssen nicht immer zusammenpassen, also abwarten was tatsächlich mit dem Router machbar ist.

Den ersehnten Telekom-Router konnte ich schlussendlich am 10.02.2015 in Empfang und auch Betrieb nehmen, einer ausgiebigen Testphase stand also nichts mehr im Wege.

Der Speedport punktet auf jeden Fall schon mal mit seinem zeitlosen, dezenten sowie eleganten Äußerem;  hier wirkt die FRITZ!Box geradezu altbacken und (dank der Farbgebung) zu verspielt. Nur was nutzt aber die Optik, wenn die verbaute Technik zu wünschen übrig lässt??

Nachdem das VDSL geschaltet und der Speedport an die Wand montiert + angeschlossen wurde (dank VOIP Telefonie ist nun kein Splitter mehr nötig, ergo im Zweifelsfall einer Störung eine mögliche Fehlerquelle weniger), habe ich mir mal die Oberfläche genauer angeschaut, um zu schauen ob er die Features mitbringt, ob der Telekom-Router die FRITZBox ersetzen kann….

Inbetriebnahme und Enttäuschung

Der Router war dank Assistenten in den wichtigsten Bereichen (Internet, IP Telefonie und Wlan) schnell und einfach konfiguriert – so einfach, das auch absolute Technik-Noobs und Internet-Einsteiger problemlos das Teil konfigurieren könnten.

Nach der Konfiguration zeigt sich der Admin-Bereich mit einer sehr übersichtlichen GUI, deutlich besser und auch übersichtlicher gelöst als bei der FRITZ!Box – der Grund dafür war aber auch sehr schnell gefunden und die Ernüchterung folgte auf dem Fuße….

Der Speedport liefert einfach nicht die Features, die ich durch die FRITZ!Box Nutzung zu schätzen gelernt habe und auch nicht mehr missen möchte. Grundsätzlich konnte ich den gleichen Zustand wie vorher auch mit dem Speedport darstellen, also

  • DECT-Zentrale für meine 3 schnurlosen Analogtelefone
  • Wlan Access Point
  • VDSL Router
  • Anschluss des analogen Faxgerätes

Die Tiefe der Konfigurationsmöglichkeiten ist dabei leider sehr sehr überschaubar. Die Gründe, warum ich mich gegen den Speedport entschieden habe, sind folgende :

  • Kein Anrufbeantworter direkt im Router möglich (nur als externes Gerät) – in der 7390 konnte ich bis zu 4 Stück aktivieren und den Nummern zuordnen.
  • Ich kann den Mobilteilen zwar Namen zuweisen, die werden aber nicht an die Mobilteile übertragen (funktioniert bei der 7390 problemlos).
  • Kein gezieltes Blocken von Rufnummern – nur über die Telekom möglich. Bei der FRITZ!Box habe ich die Möglichkeit, mittels anpassbarer Blacklist gezielt einzelne Nummern zu sperren (ein- wie auch ausgehend).
  • Unzureichender Internet Filter. Bei dem AVM Router konnte ich bestimmte Regeln erstellen, in welchem Zeitraum für bestimmte Geräte Zugang zum Internet herrscht sowie für diesen Zeitraum (zB von 12:00 – 20:00 Uhr) ein Zeitkontingent bestimmen (zB 1 Stunde) – außerhalb des Zeitraums bzw nach Ablauf der Stunde ist das Internet gesperrt. Auch die Möglichkeit, über eine Blacklist/Whitelist bestimmte Internetseiten über eine Regel zu blocken ist mit dem Speedport nicht möglich.
  • Ich kann mir in der Übersicht unter „Heimnetzwerk“ zwar alle Endgeräte anzeigen lassen, aber Repeater wie auch meine PowerLan Komponenten von Devolo werden nicht angezeigt, im Gegensatz zum AVM Pendant, wo wirklich jede Komponente des Netzwerkes auftaucht und sogar gezeigt wird, das zB mein AV-Receiver über einen Powerlan-Adapter mit der FritzBox verbunden ist.
  • Es fehlt die Übersicht der aktuellen Bandbreitenauslastung. Während mir die FRITZ!Box in einer anschaulichen Grafik die Auslastung vom Up- und Downstream anzeigt (siehe Bilder), so ist dem Speedport nur die Aussage über die ausgehandelten Geschwindigkeiten mit dem DSLAM zu entlocken (also max 25MBit down und 5MBit up).
  • Eine Funktion für die gezielte Priorisierung von Anwendungen bzw Geräten bei der Internet-Nutzung konnte ich leider ebenfalls nicht finden, in der 7390 kann ich das ganz bequem einstellen und so auch eine Hierarchie ganz nach meinem Gusto festlegen.

Nun ja, es war einen Versuch wert und nur weil das Gerät nicht meinen Ansprüchen genügt, ist der Speedport sicherlich kein schlechter Router – im Gegenteil : Anfänger würden mit dem Gerät wohl besser klar kommen, als mit der Fritzbox.

Interessante Randnotiz : Nachdem ich den Speedport abgebaut hatte, waren die Mobilteile ja auf der Suche nach der Basisstation. Was mich überraschte war die Mitteilung meines Fritz!Fons, denn dort stand im Display „FRITZ!Box 6360 wird gesucht“ – ob das wohl ein Hinweis auf die wahre Herkunft des Speedports W724V ist ?? 😉

Fazit

Ich bin wieder zurück zur FritzBox in der „EWE Edition“. Da es sich dabei um ein Leihgerät handelt, werde ich über kurz oder lang an einem Kauf einer eigenen FRITZ!Box (die Telekom bietet selber keine mehr als Leihgerät an)nicht drum herum kommen. Da die Hardware der 7390 schon etwas betagter ist, werde ich mich zwischen der 7490 bzw der 7360 (beide mit besserer/schnellerer Hardware bzw CPUs) entscheiden müssen. Mal sehen welches Modell im Endeffekt den Zuschlag erhält.

Das Manko mit dem eher schlechten DLNA-Server-Feature der Fritzbox (siehe weiter oben) bleibt dadurch zwar bestehen, aber ich werden dann wohl ein NAS Gehäuse anschaffen –  oder meinem MacMini diese Aufgabe zukommen lassen.

4 Gedanken zu “Speedport W 724V – ein würdiger Nachfolger für meine Fritzbox 7390 ?

  1. Sehr schöne Zusammenfassung!

    Ich war auch erstaunt, dass der Speedport W724V gar keine sinnvolle Kindersicherung enthält, so wie ich es von meiner Fritzbox 7330 her kannte.

    Insbesondere, wenn sich die Telekom als Anbieter für die „ganze Familie“ positioniert. Jetzt haben die Kinder schon Augenringe, weil sie die ganze Nacht PS4 Zocken können. Sind ja Ferien…

    Ausserdem hat die W724V Probleme mit IPv6. Die DNSv6 Auflösung scheint nicht zu funktionieren, siehe log unter Einstellungen, Systeminformationen. Und anders als bei der Fritzbox lässt sich IPv6 nicht abschalten. Man merkt das, wenn Web-Seiten beim Laden manchmal hängenbleiben. Dann refresh am Browser und schon geht’s wieder.

  2. Super die Beschreibung der Unterschiede.
    Was mich aber sehr interessieren würde, ist, ob die Fritzbox 7390 auch WLAN2GO kann und falls ja, wie Einstellungen vorzunehmen sind. Die Telekom „behauptet“ ja, dies würde nur mit Speedport W724V funktionieren.

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