Mal wieder : Subwoofer Upgrade für die Stube

Nachdem der letzte Artikel hier im Blog bereits 1,5 Jahre zurück liegt, ist es mal wieder an der Zeit was Neues zu bringen – und was bietet sich da mehr an als ein Artikel über einen neuen Selbstbau Subwoofer für das Wohnzimmer ?

Nachdem in meinem Wohnzimmer schon an selbstgebauten Subs ein 18” Subwoofer sowie vier 12” Subwoofer im Einsatz waren, waren die letzten beiden Subwoofer Fertiggeräte aus dem Hause Jamo, vom Typ Sub 660. Und obwohl diese sehr gut arbeiten (siehe zB den Test bei AreaDVD), juckte es mir mal wieder in den Fingern etwas Neues zu erschaffen 🙂

Die Auswahl des Subwoofer-Chassis

Gesagt, getan. Am Anfang stand die Auswahl des richtigen Chassis und hier bietet der Markt eine unglaublich große Auswahl, von absolutem Schrott bis HighHighEnd Chassis findet mal so alles. Preislich sollte der zukünftige Tiefton-Spezialist nicht billig sein, aber gerne günstig mit gutem Preis/Leistungsverhältnis. Bedingt durch meine guten Erfahrungen mit zwei 20cm ArcAudio Subwoofer-Chassis im Auto fiel auch die Entscheidung für den Wohnzimmer-Sub auf die amerikanische CarHifi Firma. Da für das neue Projekt was “Amtliches” her musste, sind Chassis aus der 8”-12” Liga gleich rausgefallen.

Subwoofer-Chassis ArcAudio 15D4

Streicht man die 8” – 12” Chassis, so bleibt nur noch der 15” bei ArcAudio über ( Datenblatt ) , welcher auch meine finale Wahl ist. Warum ich mich für dieses Chassis entschieden habe, ist schnell erklärt :

  • angenehm schlichtes Design ohne fancy Farben und Logos, ideal für den Einsatz im Wohnzimmer
  • linearer(!) Hub von 18mm pro Seite (!!)
  • sehr niedrige Fs mit 21Hz
  • dank schmaler Sicke mehr Membranfläche gegenüber 15″ Chassis mit „Rindswurstsicke“
  • guter Wirkungsgrad mit 89db / 1Watt / 1 Meter
  • Doppelschwingspule macht Auswahl der Endstufe einfacher
  • 750W RMS Belastbarkeit
  • attraktiver Preis von UVP 350 Euro
  • kompaktes Gehäuse – 60-70l netto bei der geschlossenen Version reichen vollkommen aus für eine tiefe Basswiedergabe
  • deutlich mehr Volumenverschiebung als so manch 18″ Subwoofer (errechnet durch Membranfläche SD x lin Hub); ergibt gut 2,5x mehr Volumenverschiebung bei maximaler linearer Auslenkung als der von mir schon verbaute Mivoc AWX184.

Damit auch der WAF (= Woman Acceptance Factor) stimmt, fiel die Wahl auf ein geschlossenes Gehäuse, welches trotz 15” Chassis von den Abmessungen noch recht moderat ausfallen dürfte. Darüber hinaus punkten geschlossene Gehäuse auch mit einer sehr präzisen Wiedergabe.

Den Subwoofer habe ich direkt beim ArcAudio Importeur für Deutschland, Fortissimo, geordert. Dietmar „Didi“ Carle ist nicht nur ein ganz netter Zeitgenosse, er verfügt auch über einen sehr großen Erfahrungsschatz und kann gerade bei der Gehäusedimensionierung „seiner“ Chassis wertvolle Tips geben.

Auswahl der Endstufe

Bei der Auswahl der Endstufe bin ich recht schnell bei PA Endstufen gelandet, da die am Markt angebotenen Subwoofer-Module preislich eher sportlich einsortiert sind. Und wenn man bedenkt, das mein Denon X4000 AV Receiver alles an Funktionen mitbringt (Frequenzweiche sowie Frequenzgangentzerrung dank Audyssey MultEQ-XT 32) braucht es eben nur noch eine Endstufe ohne SchnickSchnack.

Meine Wahl viel auf die Phonic IAMP 1620, welche ich bei Thomann geordert habe. Die Endstufe hat mit 2x500W RMS @4Ohm schon ordentlich Dampf , dank Class-D Technik kein Ungetüm und ist mit rd 220 Euro auch bezahlbar.

Abstriche muss man nur in der Optik machen, denn der Endstufe sieht man ihren Einsatzzweck dank grobschlächtigen 19″ Gehäuse sofort an. Aber der Endstufe (in naher Zukunft) ein schickes Gehäuse zu verpassen war ja auch mal eine Aufgabe 😉

Nachtrag : Auswahl der besseren Endstufe

Der erste Probelauf fand mit der Phonic Endstufe statt, welche schon richtig gut (und auch laut) ging – aber irgendwie fehlte das bestimmte Extra im Bass. Der Wunsch nach einem Verstärker kam auf, der nicht nur bis 10 sondern bis 11 geht 😀 

Also nochmal bei Thomann geschaut und für den the t.amp TA2400 MK-X entschieden, der mal eben 1200W RMS pro Kanal(!) bei Bedarf auf die Schwingspulen gibt. Dazu ist das Teil noch richtig Oldschool mäßig aufgebaut, d.h. ein dicker (und schwerer) Trafo im Netzteil – 20kg sind schon was 😉 

Da Thomann mit einer 30 Tage Geld-Zurück-Garantie wirbt den Phonic Amp gegen den t.amp getauscht und nach der Inbetriebnahme zeigte er sich nun endlich, der sehnlichst erwünschte Leistungshammer.

Bau des Subwoofer Gehäuses

Das Gehäuse wurde als Quader geplant mit den Innenmaßen 44cm x 44cm x 44cm, was einem Nettovolumen von 85 Litern entspricht. Zieht man das Verdrängungsvolumen vom Chassis und den geplanten Versteifungen ab, bleiben gute 70 Liter übrig. Die Außenmaße betragen bedingt durch die aufgedoppelte Schallwand 48cm x 48cm x 50cm.

Für den Bau des Subwoofer-Gehäuses braucht es keine Tischler-Lehre; der Zusammenbau sollte von jedem Hobby Handwerker umsetzbar sein. Die Zuschnittsliste für den örtlichen Baumarkt ist entsprechend überschaubar gehalten :

2x 44cm x 44cm
2x 44cm x 48cm
3x 48cm x 48cm

Als Holz habe ich 18mm Multiplex ausgewählt, welches in meinen Augen den besten Kompromiss aus Stabilität und Gewicht hat. Die Schallwand habe ich doppelt ausgeführt, zum einen um das Chassis versenkt einbauen zu können und um mehr Stabilität zu bekommen.

Wer aufgepasst jetzt aufgepasst hat, hat sicher bemerkt das die Zuschnitte (die 48cm Maße) eigentlich zu groß sind, denn genau genommen müssten es 47,6cm sein. Da der Zuschnitt aber nicht immer so genau ist wie ich es mir wünsche bestelle ich mittlerweile immer mit etwas Übermaß, welches dann später mit der Oberfräse und Bündigfräser wieder entfernt wird.

Die Holzplatten wurden satt verleimt und zusätzlich mit 4x40mm Spax verschraubt (sicher ist sicher). Ursprünglich habe ich überlegt, wie ich die Schraubenlöcher am besten verschwinden lassen soll, habe mich dann aber doch für eine andere Lösung entschieden (dazu später mehr).

Die Oberfräse samt Fräszirkel sorgte für exakte Ausschnitte für das Subwoofer Chassis, die Entscheidung auch die Anschlüsse zu versenken kam später und wurde entsprechend spontan umgesetzt (12x12cm Ausschnitt und dann von innen mit einem 18mm Multiplex Reststück wieder mit Schrauben und satt Leim verschlossen)

Bevor es an die finale Optik ging, habe ich noch innen an allen umgebenden Wänden Streben zur Versteifung der Wände eingesetzt, welche aus 19mm MDF (vorhandenes Reststück) bestehen und 3cm breit sowie 40cm lang sind. Jede der 8 Steife wurden mit satt Leim und drei 4x30er Spax dauerhaft mit dem Multiplex verbunden.

Nachdem das Gehäuse im Groben fertig war, ging es an die Optik, wobei es hier unzählige Möglichkeiten gibt. Schlussendlich entschied ich mich für eine Verblendung des Multiplex mit 3mm Sperrholz, welches dann zum Schluss in Wunschfarbe gebeizt wird. Also wieder in den Baumarkt des Vertrauens gefahren und den Holzzuschnitt gebeten,

6x 50cm x 50cm

3mm Sperrholz zuzuschneiden. Diese Platten wurden dann nur mit satt Leim nach und nach auf die Gehäusewände geklebt. Auch hier habe ich die Platten mit Übermaß bestellt, da sich auf Leim schwimmende Holzplatten gerne verschieben und wegfräsen immer leichter ist als dranfräsen *gg* Nach Trockung des Leims kam wieder die Oberfräse samt Bündigfräser zum Einsatz, was die Sperrholz Platten schnell und einfach auf das perfekte Maß brachten.

Endspurt. Nachdem alle Sperrholzplatten angeklebt und bündig gefräst worden sind, hatte die Oberfräse ihren (im wahrsten Sinne des Wortes) letzten Einsatz, ein Radienfräser sorgte rundum für eine gefällige Optik. Und tatsächlich segnete die Oberfräse nach dem letzten Arbeitsgang das Geistliche – wenn man bedenkt, das sie vor gut 7 Jahren mal 40Euro beim Aldi gekostet hat, hat sie ihr Geld aber wahrlich verdient 🙂
Mit 240er Schleifpapier auf dem Exenterschleifer wurde das Sperrholz für den kommenden Farbauftrag vorbereitet.

Letzter Akt : das Beizen des Gehäuses, welches in zwei Arbeitsgängen mit entsprechenden Zwischenschliff (ebenfalls Exenterschleifer mit 240er Papier) erfolgte.

Der letzte (und auch schönste) Schritt beim Subwoofer Selbstbau ist die Hochzeit, der Einbau (und natürlich Verkabelung) des Chassis. Nun ist aber hören angesagt….

Soundcheck – so klingt der 38cm Subwoofer

Und los gehts mit Musik hören – nein, leider noch nicht. Als erstes wurde der Subwoofer an seinen Platz gestellt. In meinem Fall steht er mit ca 30cm Abstand in einer Raumecke. Mir ist natürlich bewusst, das eine Raumecke der letzte Platz für einen Sub sein sollte (Stichwort Dröhnneigung) , aber dank dem hervorragenden Einmeßsystem des Denon AV Receivers, welcher alleine im Bassbereich sehr genau (und auch sehr gut) korrigiert, arbeitet der Sub auch in der Raumecke so, wie man es erwarten darf – staubtrocken und ohne Anregung von Raummoden (= Neigung des Basses zum Dröhnen bei bestimmten Frequenzen) 

Nach der Platzierung des Subs und Montage von den bewährten Oehlbach Shockabsorbern wurde das im Denon verbaute Audyssey MultEQ XT32 Einmeßsystem nochmals bemüht, da die vorhandenen EQ Einstellungen des AV Receivers ja noch der Wiedergabe mit dem Jamo Sub 660 stammten. Fix das Meßmikro auf ein Stativ geschraubt und nach Anleitung die 6 Meßpunkte durchgefahren. Nach der manuellen Kontrolle von Trennfrequenz und Lautstärke konnte es aber dann endlich ans hören (und fühlen) gehen 😀

Ja was soll ich sagen – während mit der „kleinen“ PA Endstufe schon ordentlich die Post abging, so ist mit der größeren 2.4kw Endstufe für mich jeder Wunsch erfüllt. Der Subwoofer kann laut – sehr laut. Und er kann auch tief wie es sich für einen guten Heimkino-Sub gehört. Das sehr stabile, geschlossene Gehäuse sowie die gute Kontrolle der Endstufe ermöglichen eine sehr gute Kontrolle der Membran was zu einer extrem trockenen und kontrollierten Wiedergabe führt. Und egal ob Musik oder Heimkino, der Bass unterfüttert perfekt die Wiedergabe meiner Adam Audio 7x Monitore und fügt sich auch bei anspruchsvoller Wiedergabe (und natürlich angepasster Lautstärke) harmonisch in das Klangbild ein.

Fazit

Sicherlich kann man weitaus günstiger Subwoofer für die Stereo- bzw Heimkinoanlage bauen und auch fertig kaufen (siehe den oben erwähnten, sehr guten Jamo Sub 660)

Meine hier vorgestellte Kombi aus Sub + Endstufe kostet inkl. Material gute 850 Euro sowie diverse Stunden an Holz- und Lackierarbeiten. Was aber unter dem Strich rauskommt ist für mich meine bisher beste Lösung an Tiefbassunterstützung (Pegel wie auch Klang und Tiefgang), die ICH bis jetzt im Heimkino hören konnte.

Ob und wie gut mein selbst gebauter Tiefbassmitarbeiter mit Fertigprodukten aus dem gleichen Preissegment mithalten könnte, kann ich mangels Vergleichsmöglichkeit leider nicht sagen, ein Vergleich würde mich aber durchaus mal interessieren. Mehr geht immer, erst recht wenn Geld keine Rolle spielt – aber ob mehr (schöner, lauter, besser…) auch für unter 1000Euro geht, da mache ich mal ein großes Fragezeichen hinter. Ich bin auf jeden Fall mehr als zufrieden.

Fotos vom Bau

Wie es sich für meine DIY Projekte gehört, habe ich die Entstehung des Subwoofers mit der Kamera begleitet….

 

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